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Heine in Japan 2

 投稿者:namiki  投稿日:2006年12月 1日(金)17時49分29秒
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       Die japanische Romantik nahm gern nur diese Seite von Heine wahr, obwohl man bei dem jungen Heine schon eine nuechterne, satirische und ironische Kritik an der Wirklichkeit finden kann. Diese Richtung der einseitigen Heine-Rezeption spielte zwar eine gewisse fortschrittliche Rolle, indem sie in der damaligen patriarchisch-feudalen Gesellschaft die Erweiterung des modernen "Ichs," die Freiheit des Individiums und die Befreiung des Fleisches behauptete.
    Aber die japanische Romantik beging letzten Ende entweder eine Flucht aus der Wirklichkeit, indem sich die Dichtung selbst mehr und mehr von der Gesellschaft distanzierte und das Theme daher immer mehr an gesellschaftlichen Anspruch verlor, oder sie wandte sich nach der Richtung des agressiven Nationalismus, um die Expansionspolitik des japanischen Imperialismus einseitig zu preisen.
     Yosano Tekkan(1873-1937) z.B. kritisierte am Anfang an die absolutistische Regierung streng, indem er den Widerstand gegen die alten feudalen Gewohnheiten und die allseitige Befreiung des Ichs besang, obwohl er selber immer ausserhalb der Gesellschaft und Politik sein wollte. Aber er wurde mit der Zeit nationalistisch und lobte am Ende die Expansionspolitik mit seiner Dichtung.
Hier ist ein Gedicht in seiner Fruehzeit, "Hito o kouru uta"(Das die Menschen liebende Lied)12):

           Wenn man sich eine Frau nehmen will,
          Soll sie gescheit, hubsch und gemuetlich sein.
          Wenn man sich mit jemandem befreunden will,
          Soll der Freund viel lesen und vielen
          Gerechtigkeitssinn und auch Leidenschaft haben.

           Wenn man nach der Liebe gefragt wird,
          Soll man den Ruhm vorziehen.
          Wenn man nach dem Freund gefragt wird,
          Soll man fuer den Freund eben
          Durch das Feuer gehen.

             .  .  .  .  .  .

           Ach, obwohl ich weder talentvoll wie Dante,13)
          Noch leidenschaftlich wie Byron, Heine bin,
          Ziehe ich auch ungern die einsamen, ruhig-stillen
          Gesaenge von Basho vor, der Muehsal
          Durchwandernd gedichtet hat.14)

     Basho ist der groesste Dichter des japanischen Kurzfom-Gedicht mit siebzehn Silben, "Haiku", im 18. Jahrhundert.
     Bei dieser Gelegenheit uebersehen wir voraus noch ein gegenwaertiges Lied, das im Jahr 1972 vertont und auch heute noch sehr beliebt ist und gesungen wird.

                  Das Lied von vier Jahreszeiten

       Wer den Fruehling liebt, dessen Herz ist so rein,
       Wie die Bluete des Veilchens, der ist mein Freund.

       Wer den Sommer liebt, dessen Herz ist so stark,
       Wie die Welle, die eben Felsen bricht, der ist mein Vater.

       Wer den Herbst liebt, dessen Herz ist so tief,
       Wie Heine, der Liebe dichtet, das ist meine Geliebte.

       Wer den Winter liebt, dessen Herz ist so warm,
       Wie die Erde, die sogar tiefe Schnee verschmilzt, das ist meine Mutter.15)

     Dadurch kann man sich schon gut davon ueberzeugen, wie stark und weit Heine als ein leidenschaftlicher Liebesdichter geliebt worden ist
Heines Popularitaet wuchs damals nicht wenig durch die Kompositionen Heines Lieder. Seit im Jahr 1897 Schuberts "Doppelgaenger"(Heimkehr 20) bei einem Konzert der Musikhochschule Tokio gesungen wurde, wurden Heines Lieder, die bei den Komponisten der Romantik wie Schubert und Schumann sehr beliebt waren, gesungen und gehoert. Schuberts "Schwanengesang" und Schumanns "Dichterliebe" stehen noch heute mit Muellers "Die schoene Muellerin" oder "Winterreise" auf dem Programm der Liederabende am haeufigsten. Man sollte auch noch darauf hinweisen, daß zahlreiche Gedichte des jungen Heine von Japanern vertont wurden.16)
In diesem starken Strom der romantischen Heine-Rezeption versuchten einige Leute, gegen diesen Strom zu schwimmen und ein anderes Heine-Bild in Japan einzufuehren.
        Taoka Ryoun(1877-1912) z.B. schrieb schon 1894: "Heine ist ein fuer die Befreiung der Menschheit kaempfender Dichter."17) Aber man hat bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs warten muessen, um diese zu ihrer Zeit fortschrittliche Ansicht und auch seine ruecksichtslose Kritik an der Regierung wieder zu schaetzen.

     In der Taisho-Periode(1912-1926), wo unter der Verstaerkung der Widersprueche des Ersten Weltkriegs und einem gewissen Einfluss der sozialstischen Oktoberrevolution ein Aufschwung der demokratischen und sozialistischen Bewegung wie die Reis-Aufstaende(1918), die Gruendung der modernen klassenkaempferischen Gewerkschaft "Yuaikai"(Gesellschaft für die Fraternität, 1919) und die Gruendung der KPJ(1922) stattfand, begann die zwite Etappe der Heine-Rezeption in Japan.
     Schon im Jahr 1912 veroeffentlichte Nakazawa Rinsen(1878-1920) zwar einen Aufsatz mit dem Titel "Haine to Razari oyobi Maruku[su]"(Heine, Lassalle und Marx)18), in dem er darauf hingewiesen hat, dass Marx in seiner Pariser Zeit auf einige Gedichte von Heine einen betraechtlichen Einfluss ausgeuebt habe. Aber die wichtigste Leistung in dieser Periode war die von Ikuta Shungetsu(1892-1930). Er stellte Heine allseitig vor, nicht nur den jungen, romantischen, sondern auch den spaeten, sozialkritischen Heine, indem er zahlreiche Aufsaetze über Heine schrieb und von 1919 bis zu seinem Tod 1930 eine Uebersetzung von allen Gedichte ausser "Atta Troll" und "Wintermaerchen" veroeffentlichte. Obwohl er an seinem Lebensabend stark pessimistisch wurde und ueber Heine ebenso schrieb: "Heine hat gut bewusst, dass alle Streben des Menschen am Ende ins Nichts geraten werden, [....] Was bekam Heine vom Leben? [....] verlorene Liebe und verlorenes Leben."19) Und obwohl er Heine nicht bis zum letzten Ende richtig verstehen konnte, schrieb er in der Weise Heines so:

             Ein neues Lied, ein besseres Lied,
           O Freunde, will ich euch dichten!
           Wir wollen hier auf Erden schon
           Das Himmelreich errichten.

             So sang Heinrich Heine.
           Mein Freund, Heine, du hast recht.
           Wenn du auch so verflucht und gehasst wurdest,
           Warst du Dichter der Freiheit.

             Die sogenannte "Volksdichter" schimpften dich
           Als Liebesdichter, als Dichter der Traenen und
           Des sussen Seufzers, oder als sentimentalen Dichter.
           Sie haben unrecht.

             Ja, Heine ist Dichter der Freiheit,
           Sozialer Dichter mit Satire und fatalem Fluch,
           Feuerdichter, der ueber soziales Unrecht,
           Ueber menschliches Unrecht zuernt.

             Wo der soziale Dichter ist,
           Treten die "Volksdichter" von der Buehne zurueck.
           Freunde, singet mit Eisen,
           Mit Feuer, mit fatalem Pfeil!20)

     In dieser Periode gab es noch mehrere Uebersetzungen und Heine-Aufsaetze, die Heine in Japan weiter anerkannt werden liessen. Trotz alledem war nur Ikuta hervorragend.

     Die Showa-Periode(1926-1989) ist schon Gegenwart und sehr kompliziert. In der ersten Haelfte vor dem Zweiten Weltkrieg gab es eine Periode des Gegensatzes zwischen der demokratischen bzw. sozialistischen Bewegung und dem Faschismus.
       Die proletarische Literatur, die schon in Taischo-Periode begonnen hatte, erreichte da ihren Hohepunkt. Die KPJ, die im Jahr 1922 gegruendet und waehrend der Unruhe nach dem katasrophalen Erdbeben in Tokio schon 1923 aufgeloest worden war, wurde 1926 wieder aufgebaut und trug tatsaechlich alle Arten von kulturell-proletarischen Bewegung und die Arbeiterbewegung. Aber schon 1931, nach dem Ausbruch des fuenfzehnjaehrigen Kriegs gegen China, folgte eine gleichzeitig-landesbreite Verhaftungswelle nach der anderen und dann musste sich der ZK der KPJ unter diesen Umstaenden aufloesen.
    Nicht wenige Kommunisten, unter denen die zwei damalige obersten Leiter der KPJ, Sano Manabu(1892-1953) und Nabeyama Sadachika(1901-1979), zunennen sind, unterwarfen sich der Tennoistischen Macht aus Furcht vor dem polizeilichen Terror und mussten oeffentlich ihre Bekehrung erklaeren: das Kaisertum anerkennen und fuer die imperialistische Expansionspolitik eintreten.

     Nakano Shgeharu(1902-1978), der eine Diplomarbeit ueber Heine an der kaiserlichen Universitaet Tokio schrieb, hob die revolutionaere Seite Heines hervor, besonders die philosophische Einsicht, mit der Heine das Geheimnis der revolutionaeren Ansicht Hegels "verraten" hatte und ausser mehreren anderen bemerkenswerten Heine-Aufsaetze, schrieb er auch viele etwas pathetische Gedichte wie "Uta"(Das Lied, 1926), das grosse Aehnlichkeit mit Heines Zeitgedicht "Die Tendenz" hat. Er gehoerte auch zu den ersten grossen proletarischen Dichtern in Japan.
     Auch dieser Nakano wurde im Jahr 1934 unter dem Terror der Tennoistischen Polizei schliesslich gezwungen, seinen Rueckzug von der kommunistischen Bewegung zu erklaeren. Dann konnte er keine Gedichte mehr, sondern bloss eine Art von  apologetischer Prosa schreiben.
 

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