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Heine in Japan 3

 投稿者:namiki  投稿日:2006年12月 1日(金)17時42分51秒
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       Makimura Hiroshi(1912-1938), der durch sein Gedicht "Kanto-paruchizan no uta"(Das Lied der Kanto-Partisanen, 1931) bekannt war, schrieb 1935 ein grosses Gedicht "Bairon, Haine"(Byron, Heine), das den Untertitel "Ein fragmentarischer Gedanke im Gefaengnis" traegt. Der Inhalt des Gedichts lautet ungefaehr wie folgt21):

     Das dichterische "Ich" sitzt und liest ein Buch im Gefaengnis und findet
    dabei zwei Namen:Byron und Heine, die bald vor ihm in der gespensterhaften
    Figur erscheinen. Sie ruehmen sich ihrer romantischen und individualistischen
    Poesie. Dann fragt das "Ich" die beiden ungeduldig.

         "Was sagt ihr mit einem Wort, wenn ihr mir Rat geben wollt?"
         Byron schwingt jenen grossen Mantel hinter sich und sagte:
         "Ausbrechen! In die Phantasie und in den Faschismus!"
         Heine hockte aengstlich mit jener Kruecke und sagte:
         "Bekehrung! Ins Studierzimmer und ins Cafe!"22)

       Nachdem die beiden Figuren verschwunden sind, schreibt das "Ich" neben
      den Briefen an einen Genossen und seine Mutter: "Ich will weder unterwerfen
      noch beleidigt werden!"23)

    Dieses Gedicht weist schon auf zwei problematische Aspekte der Heine-Rezeption von der Meizi-Periode bis zum Anfang der Showa-Periode hin. Makimura setzt sich hier mit der romantischen Stroemung in der Meizi-Periode und mit der proletarischen Dichtung in der ersten Haelfte der Showa-Periode vor dem Zweiten Weltkrieg streng auseinander.
     Er kritisiert zuerst den schon oben genannten Yosano Tekkan als reaktionaeren Dichter, der mit seinen Gedichten die Expansionspolitik des japanischen Imperialismus gelobt hat. Diese gefaehrliche Tendenz der japanischen Romantik konnte Makimura nicht uebersehen.
     Er kritisiert auch die japanischen Heine- und Byron-Epigonen, die die proletarische Bewegung verliessen und im Studierzimmer oder im Cafe ueber die Literatur schwatzten. Makimura betrachtet den oben genannten Nakano, der seit einem Jahr bekehrt war, als einen der Heine-Epigonen in Japan. Er laesst ihn, Nakano, als seinen Feind auftreten und einen sinnlosen, apologetischen Schwank spielen.

      Heine schrieb schon in den 40er Jahren des 19. Jahrhundert zahlreiche Zeitgedichte nach dieser, satirischen Methode. Dann ist klar, daß Makimura diese satirische Methode Heines in seinen Gedichten genau anwendete und dann als echter Nachfolger Heines im Sinne der politisch-revolutionaeren Dichter am hervorragendsten und am weitesten fortgeschritten war.
      Nachdem er wegen der terroristischen Behandlung im Gefaengnis schwer erkrankt und geistig etwas behindert war, starb er 1938 mit nur sechsundzwanzig Jahren, ohne von dem Terror der Tennoistischen Polizei unterworfen und beleidigt zu werden, wie am Ende dieses Gedichts stolz besungen ist.
       Mit dem Tod Makimuras wurde die proletarische Literaturbewegung in Japan fast total erstickt.

4. Die Heine-Forschung in Japan
      Trotz alledem war die Situation der Heine-Forschung bemerkenswert. Man kann sagen, dass mit dem Aufsatz "Hainrihi Haine ni tsuite"(Über Heinrich Heine)24) von Funaki Shigenobu(1893-1975) die exakt-wissenschaftliche Heine-Forschung begann. Er, dessen Diplomarbeit ueber die Schicksalstragoedie in Deutschland war, studierte auch an der kaiserlichen Universitaet Tokio und nach dem Diplom war er als Schriftsteller taetig, aber mit nicht so grossem Erfolg. Dann wurde er Dozent an der privaten Universitaet Waseda in Tokio. Am Anfang interessierte sich er fuer das Drama, meistens Strindbery, Grabbe, Grillparzer, auch Goethe u.a., aber ploetzlich im Jahr 1937 schrieb er den oben genannten Aufsatz, dann veroeffentlichte er zahlreiche Heine-Aufsaetze Jahr fuer Jahr und setzte seine Heine-Vorlesung an der Universitaet bis zu deren Schliessung 1943 fort. Ausserdem trug er auch zu der Vorstellung der zeitgenoessischen demokratischen bzw. sozialistischen Schriftsteller wie Brecht, Fr. Wolf, Zuckmeyer, Heinrich Mann u.a. viel bei.

      Nach dem Krieg hatte er schon 1946 wieder angefangen zu schreiben und veroeffentlichte im Juni desselben Jahrs den wichtigen Aufsatz "Shizin Haine no seizishiso no suii"(Die Entwicklung des politischen Gedankens vom Dichter Heine)25). Funaki hat 1965 seine ueber dreissigjahrigen Studien unter dem Titel "Shizin Haine. Seikatsu to sakuhin" (Dichter Heine. Sein Leben und seine Werke, Tokio) mit ueber 800 Seiten, das bis heute groesste Heine-Buch in der Welt, zusammengestellt und herausgegeben. Der Schwerpunkt dieses Buchs besteht, kurz gesagt, darin, dass er sich mit dem Problem der Bekehrung zu einem persoenlichen Gott in Heines Spaetzeit energisch beschaeftigt und behauptet hat, Heine habe sich religioes und auch politisch bekehrt(S. 510).
      Die Schlussfolgerungen Funakis sind zwar nicht immer korrekt, aber seine wissenschaftlichen Leistungen trugen mit seiner Persoenlichkeit zur demokratischen Entwicklung der Germanistik und auch der verschiedenen Gebiete der Wissenschaft in Japan unschaetzbar bei, indem sie junge Forscher allseitig ermutigt haben. Darum wurde er vom herrschenden Kreis der Zeit manchmal ignoriert oder gehasst.
      Dann im Jahr1938 hat er die Ehre bekommen, von der Tennoistischen Polizei verhaftet zu werden, wegen der Taetigkeit als Generalsekretaer des Freiheitsbundes der Kunst und Wissenschaft Japans und wegen der Taetikeit im Institut fuer den Materialismus und in der Kooperativ-Genossenschaft fuer Lebensmittel.
     Nach dem Krieg, wie wir schon oben gesehen haben, griff er sofort zur Feder und gleichzeitig spielte er fuer den demokratischen Fortschritt in der verschiedenen wissenschaftlich-kulturellen Gebieten immer eine sehr grosse Rolle. Zwei Beispiele:: Funaki als einer der bedeutenden Leute bei der Gruendung der Freundschaftsgesellschaft Japan-DDR 1954 und auch bei der Gruendung der "Freunde von Weimar" Gesellschaft fuer die Foerderung des gegenseitigen Austausches der Germanistik Japan-DDR 1967.

      Wir haben noch zahlreiche bedeutende Heine-Forscher und deren Leistungen, die man unbedingt nennen sollte. Aber hiermit ist der Bericht aus technischen Gruenden zu schliessen. Wenn man trotzdem nur ein paar eminente Leistungen nennen darf: die zwei Uebersetzungen des "Deutschland. Ein Wintermaerchen" von Ikumi  Etsuzi(1937) und Kobori Zinzi(1938) und auch die Uebersetzung der "Lutezia"von Doi Yoshinobu(1938/39) vor dem Krieg. Und Inoue Shozos "Heinrich Heine. Der
Dichter der Liebe und Revolution"(1952) und seine Uebersetzung, "Heines saemtliche Gedichte" in fuenf Baenden(1972/73) nach dem Krieg.

    Anmerkungen
     Der vorliegende Bericht entsteht aus einem Vortrag am 14. 9. 1988 in Weimar. Dieser gehoerte zu Veranstaltungen unter dem Thema "Tage der japanischen Kultur" im Bezirk Erfurt vom 11. bis zum 21. 9. 1988. Auch moechte ich an dieser Stelle dem DAAD und der Liga fuer Voelkerfreundschaft der DDR fuer die Finanzierung der Studienaufenthalte herzlich danken: vom 1. 7. bis 30. 11. 1988 bei Prof. Klaus Briegleb in Hamburg und bei Prof. Helmut Brandt in Jena.
      Die hier zitierten japanischen Texte wurden von dem anwesenden Autor, d.i. von Namiki, uebersetzt, solange die anderen bestimmten Uebersetzer nicht genannt wurden.

1) Marco Polo: Von Venedig nach China. Deutsche Uebersetzung. Hrsg.von Th. A. Kunst. Tuebingen und Basel 1973.
2) Kontemutsusumunzi(Contemtus Mundi.In: Th. v. Kempen: De Imitatio Christi. O.O. o.J.). Der Verfasserschaft ist jedoch nicht unbestritten. Vgl. Tanaka Umekichi: Nichidoku gengobunka koryushi
dainenpyo(Synoptische Geschichtstabellen der wechselseitigen Stroemungen zwischen Japan und Deutschland) Tokio 1981. S. 119ff.
3) Vgl., Tanaka Umekichi: a.a.O., S. 214f.
4) Kaempfer: Geschichte und Beschreibung von Japan. London 1727/28, Lemgo 1777/79.
5) Hans Modrow u.a.: Die DDR und Japan. Berlin 1983. S. 23f.
6) Tanaka: a.a.O., S. 224.
7) Nakazima Hirotari: Goyumezinikki(Tagebuch des Traums. Zweiter Teil). Manuskript, Nagasaki 1823. S. 13.
8) Spaeter(1862), "Institut fuer die Untersuchung der europaeischen Schriften."
9) Heinrich Heine. Werke und Briefe in zehn Baenden. Hrsg. von Hans Kaufmann, Berlin 1961-64. Bd. 7, S. 153.
10) Vgl., Takeuchi Seiichi: H. Byuruga no shogai to Haine(Das Leben H. Buergers und Heine). In: Boeidaigakko kiyo(Wissenschaftliche Zeitschrift der Hochschule fuer die Staatsverteidigung) Tokio 1975. Heft 26, S. 523f.
11) Neue Lieder der besten neueren Dichter fuer's Volk. Hrsg. von L. Jakobowski. Berlin 1899. S. 15f.
12) Im ersten Druck war der Titel "Tomo o kouru uta"(Das den Freund liebende Lied). In: Karabunko(Kara-Archiv). Tokio 1899.
13) Eigentlich "Coleridge" statt "Dante".
14) In: Nihon no uta(Die japanischen Lieder). Tokio 1987. S. 688.
15) Gedichtet und komponiert von Araki Toyohisa, "Shiki no uta". In: Nihon no uta. A.a.O., S. 442.
16) Vgl., Shigi Tatsuki: Haine no shi ni sakkyokusareta uta no koto(Über Heines Gedichte, die vertont wurden). In: Haine kenkyu(Heine-Forschung). Tokio 1980. Bd. 3, S. 336ff.
17) Taoka: Hainrihi Haine(Heinrich Heine). In: Nihonzin(Japaner).Tokio 1894. Heft 12, S. 292f.
18) In: Bunshosekai(Die Literaturwelt). Tokio 1912. Bd. 7, Heft 6, S. 10ff.
19) Ikuta: Hainrihhi Haine(Heinrich Heine). In: Sekaibungakukoza 7 Doitsubungakuhen zyo(Die Vorlesung der Weltliteratur 7 Deutsche Literatur I.er Teil). Tokio 1930. S. 455.
20) Ikuta: Sekirazin no uta(Lieder eines echt Nackten). In: Zidaizin no shi(Gedichte eines Zeitgenossen)=Ikuta Shungetsu Zenshu(Ikuta Shungetsus Gesammelte Werke). Tokio 1931. Bd. 3, S. 263f.
21) Die folgende Beschreibung und Teil-Uebersetzung dieses Gedichts verdankt viel dem Buch von Usami Yukihiko: Japanische Dichter am Wendepunkt. Zur Geschichte der japanischen revolutionaeren und proletarischen Lyrik in der 20er und 30er Jahren. Frankfurt am Main Bern New York Paris 1987. S. 112ff.
22) In: Kanto paruchizan no uta(Das Lied der Kanto-Partisanen. Makimura Hiroshis Gedichtsammlung). Hrsg. von Kizi Yamazi. Tokio 1964. S. 71f.
23) A.a.O., S. 77.
24) In: Daiichwasedakotogakuin gakuyukai: Gakuyukai zasshi(Wissenschaftliche Zeitschrift der ersten Hochschule Waseda). Tokio 1937.
25) In: Shin Zen Bi(Wahrheit Gute Schoenheit). Tokio 1946. Neue Folge, Bd. 1.

掲載(Veroeffentlicht): 愛媛大学教養部紀要(Wissenschaftliche Zeitschrift der Ehime-Universitaet, Matsuyama) 第22号 1989年12月20日
改定増補(Korrigiert und ergaenzt): 2006年12月1日  並木 武
 

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