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投稿者:namiki
投稿日:2008年 6月18日(水)13時20分34秒
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Mit finstrer Miene,
Und im Herzen seufzet sie traurig:
Ich lechze nach Rosen,nach Sangesergüssen
Der Nachtigall,nach Sonnenküssen − (HSA Bd. 2 S. 87 f)
So läßt sich deutlich zeigen, daß unser Gedicht“Die Söhne des Glückes” eine Anspielung auf “Unterwelt” bzw. ein Gegenstück dazu ist. Heine hat die Änderung seiner eigenen Auffassung oft und gern so formuliert,indem er auf frühere Äußerungen bzw. Werken poetisch anspielt bzw. Gegenstücke dazu entwirft. Daher empfängt Zarewna Proserpina die Toten nicht mehr “Mit finstrer Miene,” sondern wahrscheinlich ist sie auch “von guter Miene.”
6. 4 Die Bezeichnung “Zarewna” ist einerseits so lustig,daß sich beim ersten Blick auf dieses Wortes die Spannung etwas lösen läßt, indem man die hervorragende Technik der Heineschen Wortschöpfung,die witzige Verbindung von Zarewna und Proserpina,an sich bewundert. Aber diese Bezeichnng weist anderseits etwas auch auf Ernstes hin. Das ist der Schatten Rußlands. Proserpina ist hier nicht mehr die Tochter bzw. Gattin Plutos,sondern die Tochter des russischen Kaisers. Heine hat sich schon immer kritisch zu Rußland und dessen absolutistischem Zarismus im Vergleich mit Frankreich geäußert.
Allianz zwischen Rußland und Frankreich. Ihre Affinität − in beiden Ländern
der Geist der Revolution; hier in der Masse und hieß einst Konvent,dort
konzentriert in einer Person und heißt Zar; hier in republikanischer,dort
in absolutistischer Form; hier die Freiheit,dort die Zivilisation in Auge
haltend,hier idealen Prinzipien,dort der praktischen Notwendigkeit huldigend,
an beiden Orten aber revolutionär agierend gegen die Vergangenheit,die sie
verachten,ja hassen.(aus“Aphorismen und Fragmente” HSA Bd. 12 S. 247)
Ich denke mit Widerwillen noch
An jenen schnöden,verfluchten
Vorspielgerüche,das schien ein Gemisch
Von altem Kohl und Juchten.(Deutschland. Ein Wintermärchen. Caput 26,a.a.0. Bd. 2 S. 352)
So werden die jungen Toten zwar von Proserpine “huldreich” empfangen, aber dort ist es gleichzeitig so kalt wie in Sibirien. Man kann hier also Heine als Sensualist und gleichzeitig als Realist erkennen、d.i. die neue Welt des zukünftigen Geschlechts ist auch nicht immer rosig. Trotzdem ist Heine hier aber wegen des akuten Todes wirklich neidisch auf die Jungen.
7. Das Gelegenheitsgedicht
Ab Strophe 6 beginnt die Auseinandersetzung bzw. das Gespräch mit Gott. Heine betet für die Verkürzung seiner Qua1, den Tod. Als Grund dafür formuliert er,daß er kein Talent zum Märtyrertum habe. Diese Formulierung selbst ist in solchem Fall ungewöhnlich und macht einen etwas komischen Eindruck,weil man normalerweise um Heilung der Krankheit oder wenigstens um Linderung der Schmerzen betet.
7. 1. Mit dem Wort Märtyrertum verbindet man zuerst das Bild von Jesus als Märtyrer,das Heine schon im Caput 13 des “Deutschland. Ein VVintermärchen” ziemlich ausführlich und sympatisch,aber gleichzeitig kritisch-ironisch gezeichnet hat.
Ach! hättest du nur einen andern Text
Zu deiner Bergpredigt genommen,
Besaßest ja Geist und Talent genug,
Und konntest schonen die Frommen!
Geldwechsler,Banquièrs,hast du sogar
Mit der Peitsche gejagt aus dem Tempel −
Unglücklicher Schwärmer,jetzt hingst du am Kreuz
Als warnendes Exempel!(HSA Bd. 2 S. 322)
In unserem Gedicht dagegen ist die Beschreibung kurz und entscheidend,d.i. eine deutliche Ablehnung des Märtyrertums. Im Zusammenhang mit der Bezeichnung “den fröhlichsten Dichter” in der nächsten Strophe erklärt Heine hier deutlich, daß er zwar nicht das Talent zum Märtyrer,wohl aber das zum Dichter habe. Daher gilt diese Strophe schon als eine
Anspielung auf die Jesus-Verse im “Wintermärchen.”
7. 2. Es ist auch mög1ich,daß Heine sich an dieser Stelle bezüglich des Wortes “Talent” an die Auseinandersetzung bzw. Meinungsaustausch mit mehreren Leuten und seine eigenen Betrachtungen gegen Ende der 1820er und in den 30er Jahren erinnert hat. Damals hat Heine bezüglich der Begriffe “Talent” bzw. “Charkter” häufigen schriftlichen Austausch mit K. A. Varnhagen von Ense u.a.12) und eine dauerhafte und heftige Debatte mit Wolfgang Menzel und den damaligen Republikernern 13) geführt, die anläßlch der Veröffentlichung des “Börne-Buches”in den 40er Jahren wieder angefeuert wurde.
Die Debatte um Talent und Charakter wird auch in dieser Periode wiedergeholt. Im Gedicht “Kobes l.” aus “Gedichte. 1853 und 1854,” das eine satirische Kritik an Jakob Venedeys politischer Haltung enthält,kann man die folgenden Verse lesen.
Gleichfalls ein Geist, sein Denken blieb
Ganz frei vom Einfluß abstracter
Philosophie − Er blieb Er selbst!
Der Kobes ist ein Charakter.(HSA Bd. 3 S. 202)
Dagegen hat Venedey im November 1854 ein Gedicht mit dem Tite1 “An Heinrich Heine” veröffentlicht,wo er an Heine genau so direkt kritisiert;
IV.
Du weiß,was Mannesart sonst schmücket,
Und auch,wo,Held,der Schuh dich drücket.
Darum rufst du aus: >Bin ein Talent,
Das seine ganze Würde kennt,
Nichts abgeschmackter
als ein Charakter<
Den Stolz,dem Fuchse angeboren,
Den Schwanz hatt’einst ein Fuchs verloren;
Der rief wie du:>In seinem Glanz
Erscheint der Fuchs − erst ohne Schwanz!
Nichts abgeschmackter,
Als ein Charakter<
V
Warst ja auch ein Grieche sonst,
Zähltest dich zu den Hellenen.
Lazarus,ach! dazu fehlt
Dir nur etwas auf den Zähnen.
Fluchte doch dem Gotte selbst,
Der ihn hatte fesseln lassen,
Noch Prometheus,als am Fels
Adler ihm das Herz zerfraßen.
Keiner hörte winseln ihn,
Keiner ihn in Schmerzen stöhnen;
Das war so der Griechen Art
Lag im Blute der Hellenen.
Hast ja auch gelästert Gott −
Doch dein Hohn war eitel Lügen;
Jetzt,jetzt lügst du wieder nur,
Hoffst den Teufel zu betrügen.14)
Natürlich hat Heine darauf auch stark reagiert15). Man kann daher gut annehmen,daß Heine sich bei dieser Debatte an die in der früheren Zeit erinnert hat.
7. 3. Darüber hinaus sollte man hier noch einer anderen Debatte bzw. einem Zwist besondre Aufmerksamkeit schenken. Sie hatte die Veröffentlichung der vom Autor Heine nicht erlaubten,unberechtigten Übersetzung der französischen Ausgabe der “Geständnisse” im September 1854 zum Anlaß. Es ist nur zu natürlich,daß Heine darauf sofort und sehr streng reagiert hat, weil diese Übersetzung in der Augsburger “A11gemeinen Zeitung” nicht nur unberechtigt veröffentlicht wurde, sondern auch mit einer Nachbemerkung,in der Heine so offen wie derb folgendes vorgeworfen wurde:
Mit dem Vorstehenden schließen wir diese ,Bekenntnisse’; Wir haben sie gegeben wie wir
sie fanden,nichts weiter. Aber es drängt uns ihnen einige wenige Zeilen nachzusenden.
Heine ist derselbe geblieben,der er immer gewesen; es ist immer dasselbe Wetterleuchten
einzelner Geistesblitze in der Einöde abgestandener Späße,frivoler Paradoxa und blasirter
Weltanschauung; er beutet sein Krankenlager aus wie einst sein wohlfeiles politisches
Martyrerthum; nichts ist neu an ihm als − wenn wir den Ausdruck gebrauchen dürfen − die
Coketterie der Impotenz. Wohl schimmert uns lockend manch' pragende Blume entgegen,aber
sie duftet nicht und erfreut nicht; Gift ist der Boden auf dem sie großgewuchert, Gift die
Atmosphäre die sie ausströmt. Die ,Limburger Chronik’mag eine furchtbare Krankheit geschildert
haben,aber die furchtbarste von allen,den Aussatz des Geistes,hat sie nicht gekannt,und
noch soll sie ,Klapper des heiligen Lazarus’gefunden werden die gegen sie die Geister und
die Herzen schützt.16)
Heine hat sich “über den Artikel der A11gemeinen Zeitung zu Tode”17) geärgert und wollte am Anfang seinen Freundeskreis und den Verlager Campe dazu bringen,gegen die Zeitung und den Verfasser eine gesetzliche Klage zu führen. Aber am Ende hat Heine schon im November dieses Jahres die Affäre von sich aus beendet,ohne in eine konkrete Aktion gegen die Zeitung und den Verfasser zu treten.18)
Hier könnte man noch hinzufügen,daß in einer Göttingischen Zeitung vom Januar 1855 dieses Problem um Heines “Märtyrtum” ernst und neutral behandelt wurde.19)
7. 4. Außerdem kann auf andere Werke in dieser Periode hingewiesen werden,wo Heine das Wort “Talent” bewußt benutzt hat.
“Spätere Note” zum “Ludwig Marcus. Denkwort”; Aber warum muß der Gerechte so viel leiden
auf Erden? Warum muß Talent und Ehrlichkeit zu Grund gehen,während der schwadronierende
Hanswurst,der gewiß seine Augen niemals durch arabische Manuscripte trüben mochte; sich
räkelt auf den Pfühlen des Glücks und fast stinkt vor Wohlbehagen?(HSA Bd. 12 S. 124)
“Die Menge thut es”(aus den ungedruckten Gedichten);
Ich habe ein foible für diesen König
Ich glaube,wir sind uns ähnlich ein wenig.
Ein vornehmer Geist,hat vie1 Talent.
Auch ich,ich wäre ein schlechter Regent.(A.a.0. Bd. 3 S. 243)
“Memoiren”(Fragment);Ein berühmter Kaufmann,bey welchem ich ein apprenti minionaire
werden wollte,meinte ich hätte kein Talent zum Erwerb u lachend gestand ich ihm daß er
woh1 Recht haben mochte (A.a.0. Bd. 12 S. 149)
Testament(Entwurf zur rechtsgü1tigen Fassung vom 13.11.1851); Mein ganzes literarisches
Vermögen,hatte ich zu Gunsten meines hamburger Buchhandlers allieniert,um durch solches
Opfer Prozesse zu vermeiden deren Skandal besonders meinem damals noch lebenden Oheim Salomon
unmuthig gemacht hätte,indem derselbe,welcher durch letztwillige Verfügungen mir eine
glänzende Zukunft zu bereiten versprach,wohl von mir erwarten konnte,daß ich wie bisher
meine Talente nicht als Handelsmann zum bloßen Gelderwerb sondern als Dichter zur Verherrlichung
unseres Namens anwenden würde.(DHA Bd. 15 S. 212)
Die Verwendung dieser Äußerungen bzw. Verse ist nicht zufällig,sondern beweist,daß Heine sich in dieser Periode auf die Begriffe “Talent” bzw. “Charakter” wie in den früheren Jahren nochmals konzentriert und anläß1ich der oben genannten
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