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Heine, “Die Soehne des Glueckes beneide ich nicht” 3

 投稿者:namiki  投稿日:2008年 6月18日(水)13時15分24秒
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  Affäre seine eigene Stellungnahme dazu in verschiedenen Formulierungen geäußert hat. In diesem Sinne kann man unser Gedicht auch als ein persönliche Gelegenheitsdichtung anläßlich eines aktuellen Zeitgeschehens formulieren,wie es Heine in den 40er Jahren als “Zeitgedicht” sehr gern und treffend geschaffen hat. Gleichzeitig kann man auch sehen,daß diese Formulierung für die Feststellung der Entstehungszeit des Gedichts eine gewisse Bedeutung hat,wie schon ja im 2. Teil erwähnt wurde.

8. Die doppelte Parodie
   Die Anreden in den folgenden Strophen erinnern uns auch an die biblische Auseinandersetzung zwischen Satan und Gott(Kap. 1,Vers 6−12). Es war auch schon bekannt,daß Goethe dieser Geschichte Mephistos Gespräch mit Gott in “Prolog im Himmel” im “Faust” nachgebildet hat 20),indem Goethe seinen Mephisto so reden läßt,daß “der Sprachton ... an den frivolen,anbiedernden Ton ... eine unterlegene Position,die doch nicht aufgibt,Mephisto in der Rolle des Schalks”21) erinnert. Auch Heine war diese Tatsache ungefähr seit 1850 bekannt und so konnte er den Sprachton Mephistos von Goethe in unserem Gedicht auch nachbilden.

      Apropos Göthe: Ich habe vor einiger Zeit wieder Eckermanns Gespräche mit Göthe gelesen
     und ein wahrhaft pommadiges,beschäftigendes Vergnügen daran gefunden. Lesen Sie doch,
     diese 2 Bände(an G. Weerth vom 5. 11. 1851,HSA Bd. 23 S. 148)

       In der ersten Fragment-Ausgabe des Goethe'schen Faustes ist dieses am sichtbarsten;
     diese entbehrt noch die der Sakontala entnommene Einleitung und einen dem Hiob
     nachgebildeten Prolog,sie weicht noch nicht ab von der schlichten Puppenspielform und
     es ist kein wesentliches Motiv darin enthalten, welches auf eine Kenntniß der älteren
     Originalbücher von Spieß und Widman schließen läßt.(Einleitende Bemerkung zu “Der
     Doktor Faust”(HSA Bd. 12 S. 9)

Somit könnte man auch sagen,daß Heine in diesem Gedicht auf die Hiobsgeschichte doppelt angespielt bzw. auf Goethes Anspielung auf die Hiobsgeschichte(“Prolog im Himmel”) angespielt hat. Und der Satan in der Hiobsgeschichte wie auf Mephisto bei Goethe sind beide bloß “Teufel” bzw. “Schalk” für Gott,der ihnen eine Erlaubnis zum Handeln erteilt. Dagegen sind unser Hiob und Faust sind selbstverständlich “Knecht” Gottes. Deshalb kann man schon sagen,daß das Gott zugewandte “ich, ” Heine selbst,sich auch der Macht des Gottes unterordnet, wie im folgenden Teil ausführlicher behandelt wird.

9. “Der beste der Humoristen”
Heines Bestimmung seiner selbst als “der fröhlichste Dichter” bzw. “der Beste de Humoristen” hat auch schon eine lange Geschichte,wie man aus seinen frühere Äußerungen und Versen oft ersehen kann.22) Dabei soll man besonders “Deutschland. Ein Wintermärchen“ nochmals beachten,wei1 Heine selbst dieses als “ein höchs humoristisches Reise-Epos,meine Fahrt nach Deutschland”23) bezeichnet und man dazu noch in dessen Caput 27 die folgenden bemerkenswerten Verse lesen kann;

      Mein Herz ist liebend wie das Licht,
      Und rein und keusch wie das Feuer;
      Die edelsten Grazien haben gestimmt
      Die Seiten meiner Leyer.

      Es ist dieselbe Leyer,worauf er einst
      Mein Vater ließ ertönen
      Der selige Herr Aristophanes,
      Der Liebling der Kamönen.(HAS Bd. 2 S. 354)

Hier kann man feststellen,daß Heine sich selbst als Nachfolger des Aristophanes bezeichnet. Daher nimmt diese Figur auch im letzten Teil der “Geständnisse” ein wichtige Position ein,wie man im Folgenden genauer sehen wird.
9. 1  Die Bezeichnung “melancholisch” in der 8. Strophe, die eigentlich mit dem Wort “katholisch” des 4. Vers einen deutlichen,aber inhaltlich sehr starken und daher eindrucksvollen Reim bildet,ist merkwürdig. Es ist gut mög1ich,daß Heine hier auf das Zurückschleichen “in den Glaubensstall der Vergangenheit”(s.u.),d.i. die Bekehrung zum Katholizismus von Schelling anspielt. Im 3. Buch der“Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland” hat Heine die Bekehrung Schellings so kritisiert;

     Und Kant ist der Kritik der reinen Vernunft schon gleich untreu geworden,indem er
     die Kritik der praktischen Vernunft schrieb. Der Iniziator stirbt − oder abtrünnig.
      Ich weiß nicht,wie es kommt,dieser letzte Satz wirkt so melancholisch zahmend auf
     mein Gemüth,das ich in diesem Augenblick nicht im Sande bin,die übrigen herben Wahr-
     heiten,die den heutigen Herrn Schelling betreffen,hier mitzutheilen.(HSA Bd. 8 S. 225)

Daran erinnert sich Heine hier selbst auch sicher. Und “Dieser letzte Satz”ist ja bekannt;“Der Initiator stirbt − oder wird abtrünnig”(s.o.). Damit kann man auch annehmen,daß Heine hiermit auch auf seine eigene Bekehrung “zu einem persönichen Gotte”(Nachwort zum“Romanzero” HSA Bd. 3 S. 156) anspielt oder sich wenigstens daran erinnert. Heines Ironie und Kritik fällt fast immer auf ihn selbst zurück − so auch hier.
9. 2  Die Vorstellung; daß einen “Spaß” Gott macht,ist ebenso wichtig wie problematisch. Die genaue Bedeutung dieser Vorstellung hat Heine selber schon in einem Brief erklärt;

        Mein Zustand hat sich insofern verschlimmert,daß meine Kontractionen stärker
     und dezidirter geworden. Ich liege zusammengekrümmt,Tag und Nacht in Schmerzen,
     und wenn ich auch an einen Gott glaube,so glaube ich doch manchmal nicht an einen
     guten Gott. Die Hand dieses Tierquälers liegt schwer auf mir. Welch ein gutmüthiger
     und liebenswürdiger Gott war ich in meiner Jugend,als ich mich durch Hegels Gnade
     zu dieser hohen Stellung emporgeschwungen!(an H. Laube vom 12. 10. 1850 HSA Bd. 23 S. 56)

Bei Heine bedeutet dies: die Ursache des Schmerzens,der so schwer ist und ihn so dumpfund melancholisch macht,ist ein Spaß Gottes,weil dieser eigentlich ihn von der Krankheit genesen lassen oder durch den Tod seine Qual verkürzen könnte. Man kann sich zwar an verschiedene Vorstellungen im ähnlichen Sinne schon erinnern,wie “Gotteswahnsinn,”“Wie witzig ist Gott!” Aber das Wort “Spaß(-)” selbst in diesem Sinne benutzt Heine in dieser Periode ganz selten. Deshalb kann man die Tatsache,daß man das Wort im oben schon öfters erwähnten letzten Teil der “Geständnisse” insgesamt 6 mal finden kann, als einen wichtigen Beweis für die gleichzeitige Entstehung der beiden Werke hervorheben. Die inhaltliche Ähnlichkeit,oder besser,die Identität der beiden Werke wird im folgenden Teil genauer behandelt.
9. 3  Da Gott den Spaß nimmer beendet,ist die “ultima ratio,”26) ihm zu drohen: wenn Gott den Spaß nicht beendet,werde ich “katholisch.” Dieser Vers ist eine Nachbildung des Sprichworts “Aus Ärger katholisch werden” bzw. “Das ist zum Katholisch werden,” das selbst schon eine negative Nuance des Katholizismus impliziert. Bei Heine ist es noch negativer,weil er hier eigentlich nicht sagen will,daß er katholisch werden möchte,sondern weil er diese Wortwendung nur als ein Mittel zur Drohung gegen Gott benutzt. Deshalb kann man annehmen,daß Heine hier nicht nur eine allgemeine Kritik am Katholizismus 27),sondem auch die Verneinung der Allmächtigkeit des Gottes,oder zumindest Skepsis gegenüber Gott äußert,in dem Sinne,wie Heine die Hiobsgeschichte “das Hohelied der Skepsis”28) genannt hat. Trotzdem und gleichzeitig deshalb muß er zu diesem Gott um den Tod bedroht beten. Heine meint aber dennoch nicht,daß er katholisch werden wi11,sondern noch dem Evangelium,nach dem er 1825 getauft wurde,treu ist, obwohl es die nächste Strophe schon ziemlich “blasphemisch”29) klingt.
  Bezüglich des Sprichwortes “Aus Ärger ... ” könnte man noch einen Aspekt hinzufügen. Heine hat im oben erwähnten “Börne−Buch” Börne so kritisiert;

       Ludwig Börne war ... seiner Natur nach ein geborner Christ,und diese spiritua-
     listische Richtung mußte in den Katholizismus überschnappen,als die verzweifelnden
     Republikaner,nach den schmerzlichsten Niederlagen,sich mit der katholischen
     Parthey verbanden ... Manche Republikaner mögen wirklich aus Ärger katholisch
     geworden seyn. Die meisten jedoch verabscheuen im Herzen ihre neuen Alliirten,
     und es wird Comödie gespielt von beiden Seiten. Es gilt nur den gemeinschaftlichen
     Feind zu bekämpfen,und in der That,die Verbindung der beiden Fanatismen,des
     religiösen und des politischen,ist bedrohlich im höchsten Grade.(HSA Bd. 9 S. 364)

Noch deutlicher zitiert Heine das Sprichwort einen Parapraph vor dieser Stelle; “Aus Ärger katholisch werden”− so lautet ein deutsches Sprichwort,dessen verflucht tiefe Bedeutung mir jetzt erst klar wird. (A. a.0.)
 Es ist daher kein Wunder,daß Heine sich bei der Debatte mit Jakob Venedey bzw. beim Zwist mit der “Augsburger A11gemeinen Zeitung” im Herbst 1854 auch an diese Stelle erinnert und auch hier natürlicherweise auf das “Börne-Buch” bzw. Börne selbst und seinen Übertritt zum Katholizimus angespielt hat.
 In diesem Zusammenhang sollte man auch die Tatsache erwähnen,daß Ludwig Tieck in seinem frühen Drama “Prinz Zerbino,oder die Reise nach dem guten Geschmack” dieses Sprichwort zitiert; “darüber könnte man katholisch werden”30) und daß Heine im “Shakespeares Mädchen und Frauen” Tieck einerseits hochschätzt und dessen “frühere(n) Schriften immer bewundert”(HSA Bd. 9 S. 164) hat,andererseits aber den Übertritt Tiecks und der meisten Mitglieder von der “Romantischen Schule” wie auch Schelling zur katholischen Kirche streng kritisiert,obwohl Heine den Übertritt bei Tieck mißverstanden hat,d.i. Tieck und Novalis auch sind nie zum Kathorizismus übertreten.31)

      Bei mehreren Anhängern der romantischen Schule bedurfte es keines formellen Uebergangs,
      sie waren Kathoriken von Geburt,z. B. Herr Görres und Herr Klemens Brentano,und sie
      entsagten nur ihren bisherigen freigeistigen Ansichten. Andere aber waren im Schooße
      der protestantischen Kirche geboren und erzogen,z. B. Friedrich Schlegel,Herr Ludwig
      Tieck,Novalis,Werner ... und ihr Uebertritt zum Katholizismus bedurfte eines öffent-
      lichen Akts. Ich habe hier nur Schriftsteller erwähnt; die Zahl der Maler,die schaaren-
      weis das evangelische Glaubensbekenntniß und die Vernunft abschworen,war weit größer.
                                          (I. Buch der “Romantische Schule” HSA Bd. 8 S. 24 f)

Deshalb könnte man abschließend sagen, daß Heine den scharenweisen Übertritt der “Romantischen Schule” zum Katholizismus, den “tierquälenden” Gott und sich selbst zusammenfassend kritisiert.
9. 4.  Die Bezeichnung “gute Christen” in der letzten Strophe klingt auch ironisch. Eine ähnliche Vorstellung kann man schon im Gedicht “Rückschau“ des “Romanzero” finden;

        Jetzt bin ich müd’vom Rennen und Laufen,
        Jetzt will ich mich im Grabe verschnaufen.
        Lebt wohl! Dort oben,ihr christlichen Brüder,
        Ja,das versteht sich,dort sehen wir uns wieder.(HSA Bd. 3 S. 91)

Heine hat,wie schon im I. Teil erwähnt wurde, diese Wortwendung zusammen mit unsrer Bezeichnung “Die Söhne des Glückes” auch im unvollendeten Prosawerk “Rabbi von Bacherach” als Gegensatzbegriff zu den von Christen verspotteten,
 

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